Die Gilde 3 - Keine Katastrophe, aber auch nicht perfekt

Eine Burg und eine Stadt am Horizont
Burgen sehen wirklich sehr cool aus in die Gilde 3 (Quelle: theguildgame.com)

Das waren noch Zeiten, als Spiele noch ziemlich fertig veröffentlicht wurden. Da gab es auch nicht viele leere Versprechungen. Command & Conquer, Diablo, Sacred und viele mehr. Die meisten Spiele waren einfach gut. Da gab es nicht viel zu meckern. Da hatte man noch Vertrauen in die Entwickler und auch in die Publisher, kaum zu glauben. Heute sieht das Ganze jedoch etwas anders aus. Grundsätzlich fasst man sich bei jeder Ankündigung an die Schläfe und hofft, dass das Spiel nicht in die Hose geht. Ähnlich war das auch mit Gilde 3, wobei ich hier, offen gestanden, wirklich geglaubt, es würde ein gutes Spiel entstehen. Ich hätte weiter träumen sollen.

Als die Gilde 3 im September 2017 veröffentlicht wurde, war das Spiel die reinste Frechheit. Hier lief erst einmal gar nichts und wenn etwas lief, hat es keinen Spaß gemacht. Golem Labs hat hier wirklich Mist gebaut und THQ Nordic hätte die Gilde 3 einfach fallen lassen können. Hat THQ Nordic aber nicht. Sie haben einen anderen Entwickler übernehmen lassen und siehe da, Purple Lamp hat es geschafft, die Gilde 3 spielfähig zu machen. Sie sind sogar so weit gegangen und haben daraus ein Spiel gemacht, was Spaß machen kann und mir zumindest auch viel Spaß bietet.

Was ist eigentlich die Gilde 3?

Totengräber bei der Arbeit
Als Totengräber produzieren wir Gegenstände aus Knochen (Quelle: theguildgame.com)

Im Grunde eine Wirtschaftssimulation, mit ein bisschen Sims, etwas Anno und einer Menge Fehler. Das mit den Fehlern war damals schon und macht das Spiel aus und auch charmant. Wenn das Familienoberhaupt seinen Partner küsst und mit dem Kopf am anderen Ende des Partners wieder herauskommt, dann ist das witzig und genau dieser Witz macht die Gilde für die meisten aus.

Die Wirtschaftssimulation ist wirklich gut, auch die Warenketten, die es theoretisch gibt, sind gut umgesetzt. Man kann auch selbst bestimmen, was die Träger eines Betriebs zuerst ansteuern sollen und so dann richtige Warenketten auf die Beine stellen. In den meisten Fällen geht es aber vor allem um Ruhm und Taler, und Titel. Titel sind so ziemlich das Wichtigste in die Gilde 3, denn nur sie bestimmen, was und wie viel wir eigentlich besitzen und bauen dürfen. Sie ermöglichen es uns auch in der Politik mitzuspielen. Warte mal. Politik? Ganz genau!

Politik

Wir können neben Titeln auch Positionen im Stadtrat besetzen und damit Gesetze steuern, oder aber auch unsere Kontrahenten (Dynastien) aus dem Verkehr ziehen. Denn zum Start spielen wir mit einer festgelegten Anzahl an Kontrahenten. Der Zufall bestimmt, was die Kontrahenten so machen und wie sie funktionieren. Purple Lamp hat das ziemlich gut hinbekommen und dafür gesorgt, dass die Kontrahenten auch zu Problemen werden können, ohne dass man denkt, dass sie zu viel mogeln. So gibt es dann einen Widersacher, der voll auf Gaunerei abzielt und Diebesunterschlüpfe baut. Hier muss man dann besonders gut auf seine Waren aufpassen, da Wegelagerer einem das Leben schwer machen können. Manchmal legen sie auch nur ein kleines Feuer, was dann die ganze Stadt in Flammen steckt. Da müssen wir dann besonders aufmerksam sein, denn sonst ist das Spiel vorbei. Wir selbst können das aber auch tun, wenn wir denn wollen. Ich für meinen Teil spiele immer den Ruhigen, Prediger. Manchmal aber auch den Bauern, Schmied und Flicker. Oder ich buddele im Friedhof Gräber leer und verkaufe Schädel, die ich gefunden habe. Vielleicht mahle ich die Schädel aber auch zu Pulver und verkaufe sie dem Alchemisten meines Vertrauens. Es gibt hier wirklich einige Möglichkeiten, sein Spiel zu gestalten.

Je länger ein Spielstand andauernd, desto mehr hat man aber schon gemacht. Auch, weil die Gilde 3 recht langsam ist. Die meiste Zeit schauen wir auf unsere Taler und warten darauf, dass sie steigen, während wir die höchste Geschwindigkeitseinstellung am Laufen haben. Das ist so ziemlich einer der größten Kritikpunkte von mir. Es gibt zwar viel zu tun, aber auch viel Leerlauf. Hier fehlen besondere Events, oder Aktivitäten, die vor allem auch sinnvoll sind und die mich vom Alltag in die Gilde 3 ablenken. Auch die namensgebenden Gilden sind noch nicht wirklich reizvoll. Es gibt eine Handvoll an Gilden, die gelegentlich ein Event auslösen. Da hat man mal bessere Verkaufspreise, oder größere Erfolge in der Gaunerei. Aber nichts Weltbewegendes. Die meiste Zeit ignoriert man solche aufploppenden Meldungen weitestgehend. Schade eigentlich.

Lebenssimulation

Innenansicht von einem Wohnhaus mit einer kleinen Familie
Zu Hause ist es doch am schönsten (Quelle: theguildgame.com)

Okay, alles schön und gut. Aber was hat das Ganze mit Sims zu tun? Nicht sehr viel, aber zumindest ein wenig. Wir müssen nämlich dafür sorgen, dass unsere Familie wächst, denn unsere Charaktere können altern. Und wie wir alle wissen, bedeutet das auch, dass wenn etwas altert, es auch stirbt. In die Gilde 3 ist das genauso. Deshalb suchen wir schon früh genug nach einem Partner, wickeln ihn um unseren Finger und heiraten ihn dann. Das geht in der Regel bereits in den ersten 30 Sekunden, weil das Ganze nicht wirklich viel Tiefgang spendiert bekommen hat. Wir klicken auf Flirten, Tratschen, Küssen und Heiraten. Je nachdem wie hoch unser Charisma ist, mit mehr oder weniger Erfolg. Anschließend steigen wir direkt auf den Dachboden unserer Bude und fangen mit den Liebeleien an. Ein Tag später ist dann auch schon unser Erbe oder unsere Erbin geboren. Das ist nicht wirklich spannend, aber eben möglich, daher ganz cool.

Rollenspiel

Du hattest aber noch etwas von wegen Charisma gesagt. Was genau meinst du? Ah, stimmt. Charisma. Du bist sehr aufmerksam, freut mich. Also jeder Charakter hat Attribute, die er mit Stufenaufstiege um jeweils einen Punkt erweitern kann. Dazu zählen unter anderem Stärke, Geschicklichkeit, Aufmerksamkeit, Klugheit und Charisma. Wenn wir Leute vorwiegend mit Fäusten überreden wollen, lohnen sich Punkte in Stärke. Wollen wir die Leute mit Worten um die Finger wickeln, dann stecken wir unsere Punkte primär in Charisma. Das ist unser zweiter Vorname Bücherwurm, dann Klugheit. Das ist ganz cool, aber mehr auch nicht. Mehr darf man hier nicht erwarten. Die Gilde 3 ist kein Rollenspiel, zumindest nicht so, wie man es gerne hätte. Es macht aber Spaß und ich will das System auch nicht missen.

Charakterstellung mit einer männlichen Person die auf Kräuterkunde setzt
Die Charaktererstellung ist nicht ganz so umfangreich (Quelle: theguildgame.com)

Eine Charaktererstellung gibt es auch. Sie ist aber wirklich sehr rudimentär und lässt sehr viele Wünsche offen. Hier tippen wir unseren verrückten Namen, wählen das Geschlecht unserer Spielfigur, bestimmen die Spezialisierung und verteilen ein paar Attributspunkte. Investieren würde ich immer in Charisma, da wir davon zu Beginn nicht genug haben können.

Wirtschaft

Kommen wir nun zum Kern, der Wirtschaft. In die Gilde 3 wird alles simuliert. Jeder Bewohner hat sein Heim, seine Arbeitsstätte und seine Laster. Die sind zwar alle vorprogrammiert, aber hey, es ist ein Spiel. Hier wurde alles programmiert.

Ein belebter Maktplatz in einer kleinen Stadt
Ein Marktplatz ist der angesagteste Ort der Stadt (Quelle: theguildgame.com)

Mit der Wirtschaft ist das ähnlich. Auf eine, der vielen Karten, die es gibt, gibt es Dynastien und zwei bis drei Städte, die bereits mit Gebäuden befüllt sind. Diese Gebäude benötigen in der Regel bestimmte Waren und diese Waren müssen produziert werden. Da wir zu Beginn des Spielstands uns bereits auf einen Wirtschaftsbereich spezialisiert haben, müssen wir schauen, dass wir damit erfolgreich sind. Ein Totengräber ist hier in der Regel nicht so erfolgreich, wie ein Schmied oder Bauer. Jeder kann aber sein Ziel erreichen. Die einen spielen nur etwas länger in Stufe 4 der Geschwindigkeitseinstellungen.

Auf jeder Karte gibt es auch Fernhändler, die alle Märkte versorgen, sollte mal etwas knapp werden. Wäre ja blöd, wenn das Spiel zu Ende wäre, weil es keine Rohstoffe mehr gibt. Märkte sind die Anlaufstelle schlechthin. Hier findet man so ziemlich alles, was man benötigt. Wir nutzen sie aber auch, um unsere Produkte zu verkaufen. Das geschieht entweder vollautomatisch und das ziemlich gut, oder wir machen alles manuell, mit eigenen Handelsrouten und Ketten. Läuft alles automatisch ab, dann fühlt sich die Gilde 3 zwischenzeitlich wie ein Browserspiel, weil man nichts machen muss. Kann Spaß machen.

Ein Schmied und nerviger Prediger bei der Arbeit
Ein Schmied und nerviger Prediger bei der Arbeit (Quelle: theguildgame.com)

Unsere Betriebe funktionieren nicht ohne Angestellte, weshalb wir die auch mit wenigen Klicks herbeizaubern können. Je nach Betrieb benötigen wir auch einen Träger. Der lässt sich dann auch erweitern und fährt dann mit einem Karren durch die Stadt. Ganz cool. Auch Kleidungen haben Boni, die wir unseren Angestellten oder uns selbst anziehen können. Entweder wir erstellen sie uns selbst, oder kaufen sie auf dem Marktplatz.

Gebäude lassen sich auch verbessern. Das hat keine optischen Auswirkungen und ist auch nicht besonders innovativ, aber warum auch nicht. So gibt es wenigstens noch Möglichkeiten, seine Taler loszuwerden.

Wir können zu Beginn nicht direkt 50 Betriebe bauen. Dafür benötigen wir die Titel, denn ein Titel heißt auch gleichzeitig, ein Gebäude mehr. Dazu ermöglichen uns unsere Titel auch bessere Gebäude und Gebäudearten. Anfangs können wir auch noch nicht in einer Stadt bauen. Nein, wir hocken draußen vor den Toren, in einem Dorf und blühen da erst einmal auf. Mit dem richtigen Titel wird uns dann auch ein Betrieb innerhalb der Stadtmauern gewährt.

Ziel

Das Ziel kann unterschiedlich sein. In der Regel ist es der höchste Titel, der Landesherr. Damit haben wir dann wirklich alles geschafft. Um dorthin zu gelangen, müssen wir aber viele Dutzende Stunden investieren, denn der Titel kostet eine Menge Taler. Bis dahin bauen wir fleißig weiter und spielen dann unsere etwas zu dick geratenen Kinder, und deren Kinder, bis wir dann allmählich unser Ziel erreicht haben.

Eine Kleinstadt mit vielen Gebäude, einer Kirche und Stadtmauern
Die Städte sehen wirklich toll aus und wachsen mit uns zusammen (Quelle: theguildgame.com)

Wie du siehst, gibt es viel zu tun. Leider nicht genug, um ehrlich zu sein. Hier erhoffe ich mir einfach, dass Purple Lamp am Ball bleibt und mehr Inhalte liefert. Die Basis stimmt inzwischen und macht auch jetzt schon viel Spaß. Der Umfang ist okay, toppt aber noch nicht die Vorgänger – dafür sieht die Gilde 3 für ein solches kleines Studio richtig gut aus.